Zu dem Buch von Richard Dawkins ”Der Gottes Wahn” wurde bereits alles gesagt. Dass er sich nicht mit den notwendigen historischen Quellen auseinandergesetzt hat. Oder dass er keine neue ernsthafte naturwissenschaftliche Argumente gegen die Existenz Gottes ins Feld führt. Man hat ihm Borniertheit und Selbstgefälligkeit vorgeworfen. Sein Buch sei langweilig und Religionskritik schon besser vorgetragen worden. Nach der Lektüre des Buches teile ich diese Meinungen. Was schade ist, denn man möchte Dawkins in einigen Punkten recht geben, wenn er Aussagen von Theologen oder “Kreationisten” zitiert, die mehr als fragwürdig sind. Aber das interessiert Dawkins nicht. Er möchte einfach zeigen, dass jede Art von Glauben an Gott, egal von wem gepredigt oder vorgelebt völliger Blödsinn ist. Wer intelligent genug ist, kann das auch leicht erkennen, denn Atheisten sind vermutlich, man weiß es aber nicht ganz genau, ohnehin die besseren Menschen. In seinem Buch äußert er die “Vermutung, für die ich auch gewisse Belege habe, wobei es allerdings möglicherweise zu einfach wäre, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, dass nur wenige Atheisten im Gefängnis sitzen.” Die “Belege” bleibt er allerdings schuldig. Wir erfahren auch viel Wissenswertes über Katholiken. Das sind die, “die nahezu ständig Schuldgefühle…..und eine unterdurchschnittliche Intelligenz haben.” Mit der Theologie verfährt er auch nicht anders, wenn er schreibt, dass “sich seit achtzehn Jahrhunderten nichts verändert hat, anders als in der Naturwissenschaft oder in den meisten anderen Wissensgebieten.” Wer wundert sich da noch über die Aussage, dass “eingefleischte Gläubige natürlich keinem Argument zugänglich sind.” Zu lange wurden die armen Kinder “heimtückisch indoktriniert.” Ich finde es sehr interessant wie Wissenschaftler heutzutage argumentieren. Es wird allerdings dann etwas peinlich, wenn Dawkins zwar kurzen Prozess mit der Bibel macht aber gar nicht bemerkt, dass bei der Publizierung von “neuen 10 Geboten” das erste “neue” Gebot aus der “alten” Bibel kommt: “Die folgenden 10 Gebote stammen aus unserer Zeit…1. Was du nicht willst, dass man dir t u, das füg auch keinem andern zu.” Das kann jeder, der auch nur über wenig Intelligenz und nur etwas guten Willen verfügt bei Matthäus (7,12) im Neuen Testament der Bibel nachlesen. Das Buch trieft vor Vorurteilen und Halbwahrheiten. Diese werden aber sehr agressiv vorgetragen, denn wir lernen, das Atheisten unterdrückt werden, vergleichbar der Situation der sich viele Homosexuelle gegenübersehen. Wenn hier bereits sichtbar wird, dass diese Vergleiche für viele Homosexuelle ein Schlag ins Gesicht sein muss, weil ihre Geschichte verharmlost wird, wird es völlig unverständlich, wenn Dawkins behauptet, dass der Schaden durch sexuellen Missbrauch an Schutzbefohlenen “nachweislich geringer sei als der, den eine katholische Erziehung anrichte.” Weiter führt Dawkins aus: “Die allgemeine Hysterie über Pädophile hat epidemische Ausmasse erreicht…” Das schreibt einer, der “selbst in einem Fall das Opfer war (ein peinliches ansonsten aber harmloses Erlebnis).” Mich würde interessieren, wie die Betroffenen über solche Aussagen denken. Für mich trägt hier jemand, egal ob Gläubig oder Atheist, ein unmenschliches Antlitz zur Schau. Da macht es gar keinen Spaß mehr sich mit den Theorien von Richard Dawkins auseinanderzusetzen.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass da einer als Atheist loszieht in einen heiligen Krieg (den er ja so vehement ablehnt) und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Das erinnert mich an die Polemik eines Sarrazin, der ein wichtiges Thema mit Recht anspricht, der Sache aber damit nur geschadet hat. Lesenswert und Humorvoll finde ich das Buch leider auch nicht.
Aber wie immer lernen wir auch etwas dabei: Auch mit etwas Dummheit und Unwissenheit können wir Vorstand der Bundesbank oder Professor in Oxford werden!
